Winnetou und das Lachen

- Rendalia Vorstandsrede 2015

von Dr. Rutger von der Horst, Abiturjahrgang 1982

 

Die Schulleiterin Frau Jansen lässt sich entschuldigen, sie wäre sehr gerne heute hier gewesen, hat aber wegen ihrer Verabschiedung am nächsten Mittwoch noch alle Hände voll zu tun.

 

Deswegen begrüße ich heute den stellvertretenden Schulleiter,

lieber Ralf Orschel

und fahre fort mit:

liebe Ehrenmitglieder,

lieber „Goldener Jahrgang“

liebe Rendalen und Rendalinnen,

 

I. Einleitung

 

nach den programmatischen Reden der vergangenen Jahre will ich heute mal über

„Winnetou und das Lachen“ sprechen.

 

Pierre Brice, als Winnetou-Darsteller Held meiner Kindheit, ist vor ein paar Tagen in die ewigen Jagdgründe abberufen worden. Wie in all seinen Karl-May-Filmen hat Pierre Brice in der Öffentlichkeit selten bis nie gelacht, allenfalls gelächelt. Die Karl-May-Parodie „Der Schuh des Manitu" von „Bully“ Herbig fand er gar nicht lustig. Schwer gekränkt meinte er: Der Film sei eine Beleidigung und: „Ich vermisse Respekt“.

 

II. Lachen: Respektlos und unseriös?

 

Aber ist Lachen per se respektlos oder gar unseriös?

Gefährlich scheint es zu sein. Das zeigt etwa Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“. Darin geht es um ein Buch über die Komödie von Aristoteles.

 

Die positive Einstellung darin zur Freude und zum Lachen wird für so gefährlich gehalten, dass das womöglich einzig erhaltene Exemplar mit Gift versehen wird und lieber vernichten werden soll, als in fremde Hände zu gelangen.

Lachen scheint also eine große Kraft zu haben oder sogar selbst eine solche zu sein.

 

III. Lachen ist gesund

 

Dabei geschieht das Lachen meist unwillkürlich, als Reflex. Im Gesicht werden 17 und am ganzen Körper sogar 80 Muskeln betätigt. Das führt dann mitunter dazu, dass man „sich vor Lachen in die Hose pinkelt“. (Wieder ein Beleg dafür, dass Lachen „gefährlich“ sein kann.)

Lachen ist auf jeden Fall gesund:

- Die Atmung wird intensiver.

- Glücksgefühle werden produziert.

- Das Immunsystem ist aktiver.

- Stress lässt sich weglachen.

- Lachen wirkt sogar gegen Schmerzen.

Und Lachen ist ansteckend.

 

IV. Positives und negatives Lachen

 

Lachen hat deshalb auch eine Sozialbedeutung. Es ist Ausdruck für Sympathie und gegenseitiges Einverständnis und somit gut für das Zusammenleben. Lachen kann aber auch eine „Waffe“ sein. Nicht immer ist es fröhlich. So gibt es das bösartige, sarkastische Lachen; das Lachen auf Kosten anderer, indem jemand ver- und ausgelacht wird, um ihn auszugrenzen.

 

V. Lachen in der Geschichte

 

Ja, wer auf Respekt und Ehrbezeugung pocht, hat´s schwer beim Lachen, denn das pfeift darauf. Darum wird immer wieder versucht, den Drang zur Heiterkeit in andere Kanäle und von sich weg zu leiten. Karneval etwa wird als Ritual zum „Dampfablassen“ geduldet. Im frühen Mittelalter war es Mönchen vielfach sogar untersagt zu lachen. Erst ab dem 12. Jahrhundert wird zwischen gutem und verwerflichem Lachen differenziert. Es durfte wieder gelacht werden. Zwischendurch behalf sich beispielsweise der französische König Ludwig IX. damit, dass er freitags grundsätzlich nicht lachte. - Wie gut, dass heute Samstag ist!

 

VI. Lachen und der aufrechte Gang

 

Lachen ist eine relativ alte „Erfindung“. Seit dem aufrechten Gang sind wir atmungstechnisch in der Lage zu lachen.

 

VII. Humor

 

Und dann ist da noch „die Sache mit dem Humor“.

Zwar scheinen auch Tiere Humor zu verstehen. Die höheren humoristischen Leistungen des menschlichen Gehirns ermöglichen es uns jedoch, auch komplexere Witze zu verstehen. Humor scheint eben auch eine Frage des Intellekts zu sein.

Ich weiß zwar nicht, wie viel man davon braucht, um die Dissertation „Das Lachen von Frauen im Gespräch über Shopping und Sexualität“ verstehen zu können.

 

Was ich jedoch weiß: Humorvolle Menschen lachen auch über sich selbst – nehmen sich nicht zu ernst. Die Humor-Farbe der geistig Wendigen, Selbstironie, sei daher auch die Farbe der Rendalen, Eure Farbe! Deshalb, begegnet Euch hier und heute lachend im guten Lachen.